Donnerstag, 1. August 2013

Die rückenschwimmenden Schnecklinge



Caeloventer tropicus, ein typischer rückenschwimmender Schneckling.




Die Rückenschwimmenden Schnecklinge (Caeloventrea) sind eine Gruppe süß- und brackwasserbewohnender Schnecklinge, von denen die meisten kleine Tiere sind, die darauf spezialisiert sind, schwimmende Phytofloater an der Wasseroberfläche abzuweiden. Sie lassen sich dazu mit dem Bauch nach oben an der Wasseroberfläche treiben, wobei ihr Bauchpanzer ein Fettpolster enthält, das ihnen Auftrieb verleiht. Zusätzlich schlucken die meisten Arten Luft, um an der Oberfläche zu bleiben. Das Leben an der Grenze von Wasser und Luft macht die Tiere für Feinde aus beiden Richtungen angreifbar, weshalb sie mit einem hellen Rücken und dunklen Bauch gut getarnt sind und zudem stets aufmerksam ihre Umgebung im Auge behalten. Für diese Aufgabe sind rückenschwimmende Schnecklinge gut angepasst, denn ihr eines Auge, gewöhnlich das linke, sitzt auf einem beweglichen Fühler und kann gut über Wasser nach Feinden Ausschau halten, während das andere, deutlich größere Auge die dunkleren Unterwasserregionen beobachtet. Wenn das Tier einen Feind entdeckt hat, verlässt es schlagartig die Oberfläche, indem es die geschluckte Luft durch den After ausstößt und sich dabei mit der Schwanzflosse vorantreibt. Das dabei entstehende Geräusch ist so charakteristisch, dass sich dafür hartnäckig die Bezeichnung „Abfurzen“ hält.
Ein Colchissirenenbulle und zwei Weibchen, unten das Ölorgan
Auch wenn die meisten rückenschwimmenden Schnecklinge kaum größer als ein Handteller und nur einige Arten unterarmlang werden, gibt es eine große Ausnahme. Die Colchissirenen (Colchosirenidae) umfassen drei Arten mehrere Meter langer Pflanzenfresser mit massigen Körpern, die in großen Flüssen und entlang der tropischen Küsten von Colchis leben. Der Fettkörper der kleineren Rückenschwimmer ist bei den Colchissirenen zu einem komplizierteren Organ geworden, das aus vier verbundenen Kammern aus schwammartigem, ölgefüllten Gewebe besteht. Die Kammern sind von kräftigen Muskeln umgeben, so dass das Öl nach vorne, hinten oder zu den Seiten verlagert werden kann und die Colchissirenen so seine Auftriebswirkung genau steuern können, wodurch sie für Tiere ihrer Größe erstaunlich manövrierfähig sind. Mit ihrer dicken Haut und dem darunter liegenden Panzer, kräftigen Krallen an den Flossen und der erwähnten Beweglichkeit sind sie gut in der Lage, auch größere Raubtiere abzuwehren. Ihre Augen sind vergleichsweise klein und unauffällig.
Colchissirenen leben in kleinen Gruppen, die von einem dominanten Männchen angeführt werden. Gegen Ende des Sommers kommt es häufig zu Kämpfen um die Harems, wobei die Bullen sich zuerst gegenseitig einzuschüchtern versuchen, indem sie möglichst große Mengen Luft schlucken und diese unter Wasser donnernd ausstossen, ein Verhalten, das sich offenbar vom Fluchtverhalten ihrer kleinen Verwandten ableitet. Lässt sich keiner der Bullen dadurch einschüchtern, beginnen sie eine Art Ringkampf, bei dem sie sich gegenseitig aneinander festkrallen und versuchen, den Gegner zum Gewässerboden oder an die Oberfläche zu drängen. Häufig tragen die Bullen daher zahlreiche Narben, zu schwereren Verletzungen kommt es aber selten. Nur manchmal wird das Ölorgan verletzt, was dann aber fatale Folgen haben kann. Nicht nur verliert ein Tier dadurch einen Teil seiner Beweglichkeit, das austretende Öl lockt außerdem häufig Mandibelhaie an, die eine große, vermindert wehrhafte Beute nur allzu sehr zu schätzen wissen.

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