![]() | |||||||
| Caeloventer tropicus, ein typischer rückenschwimmender Schneckling. |
Die Rückenschwimmenden Schnecklinge (Caeloventrea) sind
eine Gruppe süß- und brackwasserbewohnender Schnecklinge, von denen die
meisten kleine Tiere sind, die darauf spezialisiert sind, schwimmende
Phytofloater an der Wasseroberfläche abzuweiden. Sie lassen sich dazu mit dem
Bauch nach oben an der Wasseroberfläche treiben, wobei ihr Bauchpanzer ein
Fettpolster enthält, das ihnen Auftrieb verleiht. Zusätzlich schlucken die
meisten Arten Luft, um an der Oberfläche zu bleiben. Das Leben an der Grenze
von Wasser und Luft macht die Tiere für Feinde aus beiden Richtungen
angreifbar, weshalb sie mit einem hellen Rücken und dunklen Bauch gut getarnt
sind und zudem stets aufmerksam ihre Umgebung im Auge behalten. Für diese
Aufgabe sind rückenschwimmende Schnecklinge gut angepasst, denn ihr eines Auge,
gewöhnlich das linke, sitzt auf einem beweglichen Fühler und kann gut über
Wasser nach Feinden Ausschau halten, während das andere, deutlich größere Auge
die dunkleren Unterwasserregionen beobachtet. Wenn das Tier einen Feind
entdeckt hat, verlässt es schlagartig die Oberfläche, indem es die geschluckte
Luft durch den After ausstößt und sich dabei mit der Schwanzflosse vorantreibt.
Das dabei entstehende Geräusch ist so charakteristisch, dass sich dafür
hartnäckig die Bezeichnung „Abfurzen“ hält.
![]() |
| Ein Colchissirenenbulle und zwei Weibchen, unten das Ölorgan |
Auch wenn die meisten rückenschwimmenden Schnecklinge kaum
größer als ein Handteller und nur einige Arten unterarmlang werden, gibt es
eine große Ausnahme. Die Colchissirenen (Colchosirenidae) umfassen drei
Arten mehrere Meter langer Pflanzenfresser mit massigen Körpern, die in großen
Flüssen und entlang der tropischen Küsten von Colchis leben. Der Fettkörper der
kleineren Rückenschwimmer ist bei den Colchissirenen zu einem komplizierteren
Organ geworden, das aus vier verbundenen Kammern aus schwammartigem,
ölgefüllten Gewebe besteht. Die Kammern sind von kräftigen Muskeln umgeben, so
dass das Öl nach vorne, hinten oder zu den Seiten verlagert werden kann und die
Colchissirenen so seine Auftriebswirkung genau steuern können, wodurch sie für Tiere
ihrer Größe erstaunlich manövrierfähig sind. Mit ihrer dicken Haut und dem
darunter liegenden Panzer, kräftigen Krallen an den Flossen und der erwähnten
Beweglichkeit sind sie gut in der Lage, auch größere Raubtiere abzuwehren. Ihre
Augen sind vergleichsweise klein und unauffällig.
Colchissirenen leben in kleinen Gruppen, die von einem
dominanten Männchen angeführt werden. Gegen Ende des Sommers kommt es häufig zu
Kämpfen um die Harems, wobei die Bullen sich zuerst gegenseitig einzuschüchtern
versuchen, indem sie möglichst große Mengen Luft schlucken und diese unter
Wasser donnernd ausstossen, ein Verhalten, das sich offenbar vom
Fluchtverhalten ihrer kleinen Verwandten ableitet. Lässt sich keiner der Bullen
dadurch einschüchtern, beginnen sie eine Art Ringkampf, bei dem sie sich
gegenseitig aneinander festkrallen und versuchen, den Gegner zum Gewässerboden
oder an die Oberfläche zu drängen. Häufig tragen die Bullen daher zahlreiche
Narben, zu schwereren Verletzungen kommt es aber selten. Nur manchmal wird das
Ölorgan verletzt, was dann aber fatale Folgen haben kann. Nicht nur verliert
ein Tier dadurch einen Teil seiner Beweglichkeit, das austretende Öl lockt
außerdem häufig Mandibelhaie an, die eine große, vermindert wehrhafte Beute nur
allzu sehr zu schätzen wissen.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen