Donnerstag, 11. April 2013

Kiemenschnecklinge V - Der Geist aus der Tiefsee


Abyssolarva longifila in Seitenansicht, schwimmend

Ein rätselhafter Kiemenschneckling ist Abyssolarva longifila, zu Deutsch etwa „Der langfädige Geist der Tiefe. Die Art ist bisher nur von wenigen Aufnahmen aus über 500 Metern Wassertiefe bekannt und könnte ein stark abgeleiteter und an die Tiefsee angepasster Natantier sein oder einer ganz eigenen Ordnung angehören. Der Körper ist fast durchscheinend, so dass die inneren Organe teilweise zu erahnen sind. Die einzigen nicht.transparenten Strukturen sind die für ein Tiefseetier relativ kleinen Augen und die Schneidkanten des Mauls. Die Schale scheint zu einem internen Fettkörper umgebildet zu sein, der es den Tieren erlaubt, im Wasser zu schweben und so sehr energiesparend zu schwimmen. Der wichtigste Antrieb ist die kräftig entwickelte Schwanzflosse.

Abyssolarva longifila von vorne, die Kamera untersuchend?

Am auffälligsten an Abyssolarva sind allerdings die sechs enorm verlängerten Velartentakel, die wahrscheinlich die wichtigsten Sinnesorgane des Tieres darstellen und ihm wohl auch das Fangen von Beute erlauben. Sie wehen beim schnellen Schwimmen hinter dem Körper her, können aber auch kranzartig als Fühler in alle Richtungen ausgestreckt werden. Eine weiter auffällige Struktur verbindet die beiden Augen des Tieres, bei der es sich wahrscheinlich um das Gehirn, möglicherweise in einer festen Kapsel handelt. Wenn die Kapsel nicht sehr dickwandig ist, dann hätte Abyssolarva das relativ größte Gehirn aller Kiemenschnecklinge und wäre selbst den meisten Neuschnecklingen an Hirnmasse deutlich überlegen. Wozu ein Tiefseetier, das wahrscheinlich die meiste Zeit langsam und energiesparend treibend verbringt ein so großes Gehirn braucht, wissen wir derzeit leider nicht und können nur auf weiter Beobachtungen dieser faszinierenden Art hoffen.

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