Die Urschnecklinge (Palaeochelonulida) sind die am
einfachsten gebauten heute lebenden Schnecklinge. Sie besitzen schon den für Schnecklinge typischen Panzer (Testa), aber ihr Velum ist noch weitgehend undifferenziert und besteht aus einem vorderen tastenden Abschnitt, der in zwei bis acht Tentakel unterteilt sein kann, zwei seitlichen muskulösen Flossen ohne Stützelemente und einem mehr oder weniger ausgeprägten Schwanz, der oft als Aftersiphon ausgebildet ist. Sie besitzen noch keine
eigenständigen Kiemen oder ein komplexes Kreislaufsystem und sind daher auf den
Gasaustausch über die Körperoberfläche oder den Darm angewiesen, weshalb es
sich um kleine bis sehr kleine Tiere handelt. Auch der Stoffwechsel ist meist wenig leistungsfähig, so dass die meisten urschnecklinge langsame Tiere sind, die sich am Grund von Gewässern oder an bzw. in feuchten Böden aufhalten. Gute oder gar ausdauernd schwimmende Formen fehlen.
Ein typischer Urschneckling ist der Sandstrudler (Psammovora
aculeata), der langsam mit Hilfe seiner seitlichen Velarflossen über
sandige Böden kriecht und sich durch seinen stacheligen Panzer vor Feinden
schützt. Das kaum über zwei Zentimeter lange Tier ernährt sich von Kleinstlebewesen, die auf und zwischen den
Sandkörnern leben. Dazu schaufelt er Sand mit Hilfe einer harten Kante an
seiner Mundöffnung auf und transportiert ihn in die Taschen seines Darms. Ist
eine der Taschen gefüllt, wird sie durch einen Schließmuskel abgedichtet,
der Sand mit Verdauungssäften durchmischt und erst wieder abgegeben, wenn alle
löslichen Nährstoffe aufgenommen wurden. Fressen Sandstrudler in stillem Wasser
oder auf feuchtem Strand, dann lassen sie einen deutlich sichtbaren, flachen Weg
mit einem kleinen Sandwall in der Mitte hinter sich zurück.
Der einfache Körperbau erlaubt es manchen Urschnecklingen
allerdings, noch viel kleiner zu werden. Der fast durchsichtige Bakterienweider
(Mucamicus minutus) ist so winzig, dass er sich von mikroskopischen
Algen und Bakterien ernähren kann, die er zwischen Sandkörnern abweidet. Mit
seinen vier Velartentakeln sucht er nach Nahrhaftem, während sein
stromlinienförmiger Panzer es ihm erlaubt, in kleinste Lücken vorzustoßen.
Demnächst: "Urschnecklinge II - Egelschnecklinge" und "Urschnecklinge III - Chelonulascidia"

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