Montag, 31. Dezember 2012

Urschnecklinge (Palaeochelonulida) I


Die Urschnecklinge (Palaeochelonulida) sind die am einfachsten gebauten heute lebenden Schnecklinge. Sie besitzen schon den für Schnecklinge typischen Panzer (Testa), aber ihr Velum ist noch weitgehend undifferenziert und besteht aus einem vorderen tastenden Abschnitt, der in zwei bis acht Tentakel unterteilt sein kann, zwei seitlichen muskulösen Flossen ohne Stützelemente und einem mehr oder weniger ausgeprägten Schwanz, der oft als Aftersiphon ausgebildet ist. Sie besitzen noch keine eigenständigen Kiemen oder ein komplexes Kreislaufsystem und sind daher auf den Gasaustausch über die Körperoberfläche oder den Darm angewiesen, weshalb es sich um kleine bis sehr kleine Tiere handelt. Auch der Stoffwechsel ist meist wenig leistungsfähig, so dass die meisten urschnecklinge langsame Tiere sind, die sich am Grund von Gewässern oder an bzw. in feuchten Böden aufhalten. Gute oder gar ausdauernd schwimmende Formen fehlen.


Ein typischer Urschneckling ist der Sandstrudler (Psammovora aculeata), der langsam mit Hilfe seiner seitlichen Velarflossen über sandige Böden kriecht und sich durch seinen stacheligen Panzer vor Feinden schützt. Das kaum über zwei Zentimeter lange Tier ernährt sich von Kleinstlebewesen, die auf und zwischen den Sandkörnern leben. Dazu schaufelt er Sand mit Hilfe einer harten Kante an seiner Mundöffnung auf und transportiert ihn in die Taschen seines Darms. Ist eine der Taschen gefüllt, wird sie durch einen Schließmuskel abgedichtet, der Sand mit Verdauungssäften durchmischt und erst wieder abgegeben, wenn alle löslichen Nährstoffe aufgenommen wurden. Fressen Sandstrudler in stillem Wasser oder auf feuchtem Strand, dann lassen sie einen deutlich sichtbaren, flachen Weg mit einem kleinen Sandwall in der Mitte hinter sich zurück.
Der einfache Körperbau erlaubt es manchen Urschnecklingen allerdings, noch viel kleiner zu werden. Der fast durchsichtige Bakterienweider (Mucamicus minutus) ist so winzig, dass er sich von mikroskopischen Algen und Bakterien ernähren kann, die er zwischen Sandkörnern abweidet. Mit seinen vier Velartentakeln sucht er nach Nahrhaftem, während sein stromlinienförmiger Panzer es ihm erlaubt, in kleinste Lücken vorzustoßen.

Demnächst: "Urschnecklinge II - Egelschnecklinge" und "Urschnecklinge III - Chelonulascidia"

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