Montag, 31. Dezember 2012

Urschnecklinge II - Egelschnecklinge (Hirudochelonia)




Die Egelschnecklinge (Hirudochelonia) sind eine Gruppe parasitisch lebender Urschnecklinge, die sich als Ecto- oder Endoparasiten vom Gewebe oder Blut größerer Tiere ernähren. Wie häufig bei Parasiten sind auch bei ihnen viele Organe die für ihr einfaches Leben nicht mehr nötig sind zurückgebildet, während vor allem die Geschlechtsorgane massiv vergrößert sind – Egelschnecklinge sind oft fast reine Fress- und Fortpflanzungsmaschinen.
Larve des Lausschnecklings (Pediculochelonius variabilis)
Erwachsener Lausschneckling und Situs
Der Lausschneckling (Pediculochelonius variabilis) beginnt sein Leben als freischwimmende Larve mit langgestrecktem blauem Panzer und hellem Bauch und ist so im offenen Wasser kaum zu sehen. Mit seinen großen Augen und den langen Fühltentakeln sucht er einen Partner, mit dem er Geschlechtszellen austauscht, die dann in der stark vergrößerten Gonade gespeichert werden und so den Rest seines Lebens Nachkommen hervorbringen können. Nach der Paarung sucht die befruchtete Larve ihr Opfer, an dem sie sich mit den Tentakeln und drei Dornen an jeder Seitenflosse festklammert. Mit den beiden kräftigen Kieferdornen gräbt sie sich in die Haut ihres Opfers ein und beginnt zu wachsen. Schwanz und Tentakel werden zurückgebildet und der Panzer färbt sich so, dass der erwachsene Lausschneckling auf seinem Opfer kaum mehr zu erkennen ist. Den Rest seines Lebens verbringt das Tier nun damit, die seinem Wirt gestohlenen Nährstoffe in möglichst viele Nachkommen zu verwandeln.
Egelschneckling (Hirudochelonius sp.)
Noch stärker an ein parasitisches Leben angepasst sind die endoparasitischen eigentlichen Egelschnecklinge (Hirudochelonius sp.). Die Larvenphase dieser Tiere besteht aus einer hartschaligen Zyste, aus der der Schneckling schlüpft, wenn die Cyste von einem Wirt verschluckt und die harte Schale anverdaut wird. Der Egelschneckling ist blind und kaum beweglich und kann sich nur mit zwei Dornen an seinem Vorderende voranziehen. Er sucht sich nun eine Stelle im Darm seines Opfers, wo er sich dauerhaft festsaugt. Mit dem Speichel gibt er in das Blut seines Opfers winzige Mengen eigener Hormone ab, so dass Egelschnecklinge jeweils feststellen können, ob sie einen Wirt allein oder zu mehreren besiedelt haben. Sitzen mehrere Egelschnecklinge in einem Wirt, dann geben sie ihre winzigen Geschlechtszellen in das Blut ab, so dass sie zu anderen Artgenossen wandern können, allerdings sind sie für die Fortpflanzung nicht auf eine Befruchtung angewiesen. Tatsächlich besteht der Egelschneckling aus kaum mehr als einem Verdauungstrakt und einer riesigen Geschlechtsdrüse, die große Mengen der harten Cysten produziert, welche dann vom Wirt mit dem Kot ausgeschieden werden. Dadurch ist die Chance hoch, dass sie in einer Gegend zu liegen kommen, wo geeignete Wirte regelmäßig fressen und sich der Zyklus schließen kann.

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