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| Asselschwimmer (Segmentochelonulus bathyalis) |
An manchen tropischen Kontinentalhängen lebt ein urtümlich wirkendes Tier, der Asselschwimmer (Segmentochelonulus bathyalis). Im Gegensatz zu den meisten bodenlebenden Schnecklingen besitzt er eine gegliederte Schale und je Schalensegment auch jeweils eine Seitenflosse. Sie ähneln in ihrem Körperbau damit wahrscheinlich den ersten Gliederschwimmern (auch Colchisfische, Arthrovolantes). Im Vergleich zu den einschaligen Schnecklingen ist er deutlich beweglicher und mit seinen vielen paddelnden Flossen ein annehmbarer Schwimmer über kurze Strecken, dafür büsst er aber die Schutzwirkung einer geschlossenen Schale teilweise ein. Im Vergleich zu den höher entwickelten, stromlinienförmigeren Colchisfischen ist er trotzdem ein unbeholfener und vor allem wenig ausdauernder Schwimmer, da seine Schale immer noch recht schwer und seine Flossen relativ flach sind. Wahrscheinlich hat er daher, ähnlich wie die irdischen Quastenflosser, nur in einem recht unzugänglichen Lebensraum überlebt, der sich seit Millionen von Jahren wenig verändert hat.
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| Mundwerkzeuge des Asselschwimmers |
Asselschwimmer ernähren sich vor allem von bodenbewohnenden Schnecklingen, die sie nachts erbeuten, wenn sie in flacheres Wasser aufsteigen. Langsam schwimmend, orientieren sie sich in der Dunkelheit mit ihren großen Augen und den tastenden Tentakeln, bis sie eine geeignete Beute finden, über die sie blitzschnell schwimmen. Ihre Mundwerkzeuge sind hervorragend geeignet, um die Schalen ihrer Beutetiere zu knacken. In ihrem kurzen Rüssel verbergen sich drei Elemente: Der Oberschnabel kann ein Beutetier schnell nach hinten in das Maul werfen, wo es von den beiden seitlichen Kauleisten zermahlen wird. Abbildung 2 zeigt die Mundwerkzeuge mit den ansetzenden Muskeln zum Schließen (rote Pfeile) und denen zum Öffnen des Mauls.
Für die Forschung an der biologischen Station Colchis hat der Asselschwimmer eine besondere Bedeutung, da an ihm die Mechanismen zur Bildung einer segemntierten Schale aufgeklärt werden konnten. In allen Schnecklingen wird am Vorderende im Tectoderm ein instabiles Signalprotein gebildet (Schaleninduzierender Faktor, SHIF), das über das Tectoderm nach hinten (posterior) transportiert wird, so dass sich im Zusammenspiel von Transport und Abbau ein Gradienten ausbildet. In allen Zellen, in denen die SHIF-Konzentration einen Schwellenwert erreicht, wird nun ein weiteres Protein (Schalenhöhlenfaktor, SHÖL) gebildet, dass ein Auseinanderweichen der Zellschichten im Tectoderm bewirkt, wodurch eine flüssigkeitsgefüllte Höhle entsteht. In dieser Höhle wird dann die eigentliche Schale gebildet (Abb. 3 a). Die gleichen Faktoren sind schon in einigen Floatern vorhanden und bewirken dort die Bildung von gasgefüllten Schwebehilfen im Tectoderm. Bei Schnecklingen mit verkürzten Schalen ist entweder SHIF instabiler, so dass dessen Gradient steiler wird oder der Schwellenwert zur Induktion von SHÖL erhöht, so dass SHÖL nur im vorderen Bereich des Tectoderms induziert wird und eine kürzere Schale entsteht (Abb. 3 b). Bei Arten mit gegliederten Schalen ist SHIF relativ instabil, allerdings wird seine Bildung in Tectodermzellen mit sehr niedriger SHIF-Konzentration induziert, wodurch der Gradient sich sozusagen bei Abbruch wieder neu starten kann. Hierdurch entsteht eine segmentierte Expression von SHÖL und in der Folge eine segmentierte Kammer.











