Freitag, 25. Januar 2013

Kiemenschnecklinge II - Natantia

Die Natantia sind die artenreichste Ordnung der Kiemenschnecklinge. Sie haben gut entwickelte Seitenflossen und als Steuerruder ausgebildete Schwänze. Wie der lateinische Name andeutet, sind sie schwimmende Tiere, die sich als Jäger oder Planktonfiltrierer ernähren. Die Schale ist mehr oder weniger stark zurückgebildet, was die Tiere beweglicher macht.
Ein typischer Planktonstrudler
Die Planktonstrudler (Planctovoridae) sind langgestreckte, stromlinienförmige Tiere, deren schnabellose große Mundöffnung nach vorne weist. Das einströmende Wasser bricht sich an mehreren Kanten im Schlund und kann durch drei bis fünf Öffnungen an den Seiten ausströmen, wobei Nahrungspartikel hängen bleiben und anschließend geschluckt werden können. Der Bereich des Mauls ist auch stark durchblutet und übernimmt einen Großteil der Atemfunktion, so dass die Planktonstrudler eine verblüffende Konvergenz zu den Fischen Terras aufweisen. Die ursprüngliche Kieme im hinteren Rumpf hat bei der Atmung nur noch unterstützende Funktion, kann aber stoßartig entleert werden, wobei der Schließmuskel der Afteröffnung den entstehenden Wasserstrahl steuern kann, so dass die Tiere bei Gefahr eine ruckartige Fluchtbewegung in eine überraschende Richtung ausführen können. Die Velartentakel der Planktonstrudler sind sehr kurz, um die Stromlinienform nicht zu stören und dicht mit Sinneszellen besetzt, so dass sie auch kleinste Spuren nahrhafter Partikel aufspüren und diesen folgen können.
Igelschwimmer (Natericinus rapax)
Schalenreste (Skelett) des Igelschwimmers
Im Gegensatz zu den im offenen Wasser schwimmenden Planktonstrudlern hält sich der Igelschwimmer (Natericinus rapax) meist nah am Boden auf. Seine Schale ist bis auf eine Kapsel um sein Gehirn, die Mundwerkzeuge, zwei als Muskelansätze dienenden Spangen entlang der Flossensäume und einer Reihe kräftiger Stacheln zurückgebildet. Der Igelschwimmer ist ein aktiver und durch seinen weichen Körperbau sehr agiler Räuber, der bodenlebende Tiere jagt und ähnlich wie die irdischen Rochen lebt. Die vordere Schneidekante seiner Mundwerkzeuge ist fest mit der Hirnkapsel verbunden, während die hintere beweglich und mit Resten der Schale verbunden ist, an denen kräftige Muskeln ansetzen, so dass der Igelschwimmer effektive Kiefer hat, mit denen er die Schalen vieler Beutetiere mit Leichtigkeit knacken kann. Seine Rückenstacheln schützen ihn gut vor anderen Räubern, besonders da angegriffene Igelschwimmer sich heftig von einer Seite zur anderen werfen, so dass ihre Stacheln ihre nähere Umgebung wie kleine Speere durchstossen.

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