Mittwoch, 23. Januar 2013

Kiemenschnecklinge (Branchiochelonulida) I - Einführung




Im Vergleich zu den Urschnecklingen haben die Kiemenschnecklinge (Branchiochelonulida) eine Reihe moderner Merkmale entwickelt, die sie zu deutlich aktiveren und sehr erfolgreichen Tieren machen. Zuerst fällt da natürlich die namengebende Kieme auf, die sich aus einer Tasche des Enddarms entwickelt hat. Ihre Wand ist mit Muskeln umgeben, so dass sie durch pumpende Bewegungen mit Wasser gefüllt werden kann. Von einigen Arten wird dabei ein kräftiges „Ausatmen“ durch den After auch als Antrieb genutzt, um kleine Sprünge auszuführen. Über der Kieme liegt eine muskulöse Tasche, die als Herz dient und die Körperflüssigkeit über die Kiemenoberfläche zum Vorderende des Körpers pumpt. Bei größeren Arten können auch weitere, kleinere Herzen an anderen Stellen vorkommen. Insgesamt ist der Blutkreislauf meist noch offen, so dass die Körperflüssigkeit am Darm entlang durch das Gewebe zum herz zurücksickert, sich dabei mit Nährstoffen anreichert und dann wieder über die Kieme nach vorne gepumpt wird.
Typischer Körperbau eines Kiemenschnecklings
Diese Verbesserung der Atmung und des Kreislaufs ermöglicht es den Kiemenschnecklingen, deutlich größer zu werden als ihren primitiveren Verwanden. Auch der sonstige Körperbau ist meist komplexer mit sechs als Sinnesorganen ausgebildeten Velartentakeln am Kopfende, zwei seitlichen, der Fortbewegung dienenden Flossensäumen und einem steuernden Schwanz. Zusätzlich zum Rückenpanzer ist meist eine Bauchplatte ausgebildet, die schwimmende Tiere von unten schützt und mehr Ansatzstellen für die Muskulatur bietet. Im Gegensatz zu den meisten Urschnecklingen haben die Kiemenschnecklinge eine zweite Kante am vorderen Rand der Mundöffnung ausgebildet, so dass sie ihre Nahrung regelrecht abschneiden können. Dazu kommen oft zwei bis drei raue Mahlplatten im Schlund zur weiteren Zerkleinerung.

Demnächst: Kiemenschnecklinge II, III und IV: Schwimmschnecklinge, Gondelwanderer und Federsteine

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