Freitag, 27. Dezember 2013

Gliederschwimmer II: Die Vielfalt der Colchisfische

Die Schlammwühler haben den typischen Körperbau der Gliederschwimmer, aber in den Meeren von Colchis ist eine Vielzahl von Schwimmern verschiedensten Körperbaus unterwegs. Wie die irdischen Fische haben sie sich an eine Reihe verschiedener Lebensräume angepasst. Heute betrachten wir eine Reihe relativ typischer Formen, die ähnliche Anpassungen aufweisen, wie irdische Fische.
Der Sandschmuser (Leioichthys psammophilus) ist ein bodenlebender Gliederschwimmer mit stark abgeflachtem Körper. Er und seine nahen Verwandten sind an fast allen gemäßigten bis tropischen Küsten Colchis zu finden. Sein erstes Flossenpaar ist groß und flügelförmig und erlaubt es ihm, langsam und dicht über dem Boden zu "fliegen", ohne dabei den Untergrund aufzuwirbeln. Seine Beute sucht er mit den langen und beweglichen ersten Tentakeln, während das zweite Tentakelpaar direkt vor dem großen Maul sitzt und ihm erlaubt, sich kurz vor dem Zuschnappen noch einmal präzise zu orientieren. Die Augen des Sandschmusers sind nach oben gerichtet und vor seiner Einatemöffnung liegt ein flacher Wall, so dass das Tier sich beim Ruhen knapp unter die Sandoberfläche eingraben kann.
Die Pfeilschwimmer (Natasagitta spec.) zeigen eine fast exakt genau dem Sandschmuser entgegengesetze Anpassung. Ihr Körper ist langgestreckt und schlank und wird beim Schwimmen fast starr gehalten, während die sicherlförmige Schwanzflosse sie durch das offene Wasser vorantreibt. Ihre Tenatkel und das dritte Flossenpaar sind völlig zurückgebildet, so dass die Stromlinienform nicht gestört ist. Pfeilschwimmer ziehen in großen Schwärmen durch das offene Meer und sieben mit ihren gezähnten Mundwerkzeugen Plankton aus dem Wasser. Wie viele Hochseetiere zeigen sie eine Konterschattierung, ihr Bauch ist also heller als der Rücken, so dass sie sowohl von unten gegen den helleren Himmel, noch von oben gegen das tiefere Wasser auffallen.
Einen hohen Körper mit kümmerlicher Schwanzflosse haben die bunten Riffbummler (Cotoreptatus viridiflavus). Wie ihr Name andeutet sind sie langsame Schwimmer, die in Riffen und an zerklüfteten Felsklippen leben. Sie bewegen sich mit Hilfe ihrer großen seitlichen Flossen und können mit ihrem hohen, seitlich abgeflschten Körper schnell in Spalten huschen, wo sie sich mit ihrem stacheligen Rückenpanzer verkanten können. Trotz ihrer auffälligen Färbung sind Riffbummler keine giftigen Tiere. Ob ihre Färbung Partner anlocken oder Feinde verwirren soll, ist derzeit unbekannt, allerdings scheint ihr stacheliger Rücken sie für viele Beutegreifer so oder so zu einer wenig erstrebenswerten Beute zu machen.
Süßwasserbewohner sind die winzigen Mückenfresser (Alucitavorus inversus). Diese Winzlinge sind kaum halb so lang wie ein menschlicher Finger und leben direkt an der Wasseroberfläche, wo sie sich von dem ernähren, was in ihren Teich fällt. Da sie auf dem Rücken schwimmen, ist auch ihre Konterschattierung umgekehrt im Vergleich zu der anderer Colchisfische. Mückenfresser zeichnen sich durch eine enorme Vermehrungsfähigkeit aus und produzieren zwei verschiedene Arten von Eiern. Die weichschaligen Eier schlüpfen nach wenigen Stunden und dienen der Vermehrung im Elternteich. Die zweite Art Eier hat eine härtere Schale und wird bei windigem Wetter von springenden Weibchen über der Wasseroberfläche abgegeben. Die leichten Eier trocknen sehr schnell und können mit dem Wind verbreitet werden.Sie schlüpfen, sobald sie wieder befeuchtet werden, was mehrere Monate oder sogar Jahre später sein kann. Auf diese Weise können Mückenfresser fast jedes stehende Gewässer von größeren Pfützen bis zu Seen besiedeln.

Samstag, 21. Dezember 2013

Gliederschwimmer I: Der Zweizahn-Schlammwühler (Limofodator bidens)

Zweizahn-Schlammwühler (Limofodator bidens)
Die Gliederschwimmer (Arthrovolantes), auch Colchisfische sind die Herrscher des offenen Wassers auf Colchis. Sie stammen von Vorfahren ab, die dem heutigen Asselschwimmer (Segmentochelonulus bathyalis) ähneln, sind aber deutlich bessere Schwimmer. Ihre Schale besteht aus meist fünf gegeneinander beweglichen Elementen, die kaum mehr dem Schutz des Tiers dienen, sondern als beweglicher Ansatz für die kräftige Muskulatur dienen. Gliederschwimmer können sich daher, ähnlich wie die irdischen Fische durch eine schwingende Bewegung ihres Körpers fortbewegen. Allerdings schlängeln sie sich dabei nicht seitlich, sondern schwingen ihren Schwanz auf und ab, wie dies auch die irdischen Wale tun. 
Kopf mit hochgeklappter Kopfflosse
Die zahlreichen Flossen, die bei den Asselschwimmern der Fortbewegung dienen, sind bei den höheren Gliederschwimmern auf drei Paar reduziert, die meist dem Steuern dienen. Das erste Flossenpaar schützt dabei auch das der Fortpflanzung dienende dritte Tentakelpaar. Das erste Tentakelpaar dient gewöhnlich als Taster, während das zweite oft zurückgebildet ist oder als Grubenorgan ähnlich der Seitenlinie irdischer Fische zur Wahrnehmung von Druckschwankungen im umgebenden Wasser dient.

Schlammwühler wühlt einen Urschneckling auf
Ein typischer Vertreter der Gliederschwimmer ist der Zweizahn-Schlammwühler (Limofodator bidens), der in den subtropischen und gemäßigten Küstengebieten Colchis' weit verbreitet ist. Seinen Namen hat er von dem zahnartigen ersten Tentakelpaar, das als Werkzeug unter anderem zu Wühlen nach kleinen Beutetieren im Schlamm dient, welche. Die "Zähne" dienen dabei gleichzeitig dem Wühlen und Tasten und können aufgespürte Beutetiere blitzschnell zum weiter hintergelegenen Maul schleudern, wo sie von den Mundwerkzeugen geknackt werden.
Ein Schlammwühler löst eine Colchanemone vom Untergrund
Allerdings setzen die Tiere ihre Zähne auch sehr geschickt für zahlreiche andere Aufgaben ein, so zum Beispiel zum Greifen und Manipulieren größerer Beutetiere wie Colchanemonen, die sie mit den Zähnen greifen und durch Einsatz des ganzen Körpers als Hebel vom Untergrund lösen. Ein erfolgreicher Schlammwühler transportiert seine Beute dann aus der Sicht und Reichweite von Konkurrenten und kann sie dort in Ruhe mit seinen Mundwerkzeugen zerkleinern.

Schlammwühler bei der Paarung

Nicht zuletzt, spielen die Zähne eine entscheidende Rolle bei der Paarung der Schlammwühler. Männchen und Weibchen schwimmen dabei zuerst parallel nebeneinander her, bis das Weibchen abbremst und das Männchen sich auf die Seite dreht, ummit seinen Zähne nach der großen zweiten Flossen des Weibchens zu greifen. Hebt sie nun den Schwanz, kommt einer der Paarungstentakel des Männchens in direkte Nähe der weiblichen Kloake.
Schlammwühler beim Lernen harter Lektionen

Gelegentlich gerät aber auch der anpassungsfähige Schlammwühler in Schwierigkeiten, so zum Beispiel, wenn er versucht, es mit einem Sechsarm aufzunehmen. Dessen Verteidigungsstrategie (Hier nachzulesen) kann für den Angreifer tödlich enden, wodurch die vermeintliche Beute am Ende des Tages zu einer üppigen Mahlzeit kommen kann. Meist gelingt es dem Schlammwühler allerdings flink aus der Gefahrenzone zu entkommen und eine wertvolle Lektion für den Rest seines Lebens zu lernen.