Montag, 20. Januar 2014

Gliederschwimmer IV: Rückstossschwimmer

Anhelonatator celer
Auf den ersten Blick haben die Rückstossschwimmer (Anhelonatatoridea) den größten Vorteil der Gliederschwimmer wieder aufgegeben: Die Elemente ihres Rückenpanzers sind verschmolzen, so dass ihr Rumpf weitgehend unbeweglich ist. Allerdings benötigen sie diese Beweglichkeit auch nicht zum Schwimmen, denn obwohl ihre Schwanzflosse das Tier mit kräftigen Schlägen vorantreiben kann, nutzen sie für ihren Antrieb hauptsächlich ihren Atemtrakt. Wie bei allen Neuschnecklingen ist dieser durchgehend und verläuft bei den Rückstossschwimmern als besonders langer, mit kräftiger Muskulatur ausgestatteter Kanal durch den ganzen, rohrartigen Rückenpanzer. Mit peristaltischen Bewegungen können die Tiere viel mehr Wasser pumpen, als für die Atmung nötig wäre und sich damit voranbewegen. Relativ langsames Pumpen erlaubt ihnen ausdauerndes Schwimmen über lange Strecken, viele Arten können aber auch ruckartig das meiste Wasser aus dem Atemtrakt ausstoßen und so, eventuell noch durch einen Schlag der Schwanzflosse, mit großer Geschwindigkeit nach einer Beute stoßen oder vor Feinden fliehen.
Vereinfachter Situs von Anhelonatator celer
Einige Arten, darunter der Schnelle Pusteschwimmer (Anhelonatator celer) können dazu sogar die Richtung ihres Atemstroms umkehren und so rückwärts schwimmen, was es ihnen noch leichter macht, Feinden zu entkommen und außerdem erlaubt, Beute in enge Spalten zu verfolgen und dann aus diesen zu entkommen.


Mittwoch, 1. Januar 2014

Das Schirmmäulchen (Umbellossula umbrifera)

Das Schirmmäulchen (Umbellossula umbrifera) ist ein spezialisierter Räuber des Zwielichts. Auf den ersten Blick scheint es sich bei dem ruhenden Tier um einen recht gewöhnlichen Gliederschwimmer mit auffälligen, großen Flossen und Augen zu handeln. Beim genaueren Hinsehen fällt aber auf, dass der eigentliche Körper sehr schlank ist und einen extrem vergrößerten Rüssel trägt.
Die spezielle Jagdtechnik des Schirmmäulchens wird erst verständlich, wenn es den Rüssel entfaltet. Durch sehnige Bänder kann er wie ein durchscheinender Schirm unter dem Tier aufgespannt werden. Der Schirm ist leicht biolumineszent, so dass er so hell erscheint, wie der Himmel und das Tier kaum von unten zu erkennen ist. Ist der Schirm aber aufgespannt Von unten betrachtet ist gegen den helleren Himmel nur die Silhouette des schlanken Körpers zu erkennen. Ein Räuber der jetzt aber nach der vermeintlich leichten Beute schnappt, wird in dem sich zusammenfaltenden Schirm gefangen, dessen Dornen an den Enden der sehnigen Bänder den Ausgang der gebildeten Tasche verschließen oder sich bei sehr großen Beutetieren in deren Haut graben können. Mit den kräftigen, spitzen Mundwerkzeugen kann das Schirmmäulchen Haut und eventuellen Panzer seiner Beute durchstechen und aus kräftigen Drüsen im eigentlichen Maul Gift und Verdauungssekrete injizieren. Da seine Beute meist größer ist, als das Schirmmäulchen selbst, genügt ein einzelner Fang normalerweise, um das Schirmmäulchen gewaltig anschwellen zu lassen und zahlreiche Eier zu bilden, die so groß sind, dass die schlüpfenden Jungen fast die Größe eines ausgewachsenen Schirmmäulchens vor der Nahrungsaufnahme haben.