Mittwoch, 6. Februar 2013

Kiemenschnecklinge III - Sechsarmige (Hexabranchia)




Der Rote Sechsarm (Hexobranchio rufus)
Ein Roter Sechsarm hat einen Urschneckling erbeutet
Die Sechsarmigen (Hexabrachia) sind eine der abgeleitetsten und skurilsten Gruppen der Kiemenschnecklinge. Der oberste Abschnitt ihrer Kieme ist zu einer großen Gasblase ausgebildet, die unter der hoch gewölbten dünnen Schale liegt und den Tieren erlaubt, im Wasser zu schweben. Sie bewegen sich vorwärts, indem sie mit ihrem Schwanz schlagen oder sich mit ihren sechs langen Velartentakeln über den Boden vorantasten. Ihr Bodenkontakt ist dabei für ein relativ großes Tier so leicht, dass die meisten Beutetiere sie erst bemerken, wenn der Sechsarmige sich durch Zusammenziehen seiner Gasblase herabsinken lässt und sein Opfer mit dem kräftigen, mit Giftdrüsen besetzten Schnabel knackt.
Sechsarmige sind langsame Tiere mit dünner Schale, aber deren auffällige Färbung weist darauf hin, dass sie nicht wehrlos sind. Tatsächlich weisen Sechsarmige eine der ungewöhnlichsten Verteidigungsstrategien aller Schnecklinge auf. Ihre seitlichen Flossen dienen nicht der Fortbewegung, sondern bilden den Boden einer Brutkammer, in der je nach Arft bis zu sechszehn Jungtiere sitzen, die vom Elterntier über ein Sekret mit Nahrung und Gift versorgt werden. Im Gegensatz zum adulten Tier sind die Larven stromlinienförmig und gute, schnelle, wenn auch wenig ausdauernde Schwimmer. Fühlt sich das Elterntier von einem größeren Räuber bedroht, öffnet es seine Seitenflossen und die Jungtiere greifen den Räuber wie ein wütender Bienenschwarm an. Die meisten größeren Räuber sind nicht wendig genug, um die Larven zu fangen, die wiederum vor kleinen wendigen Räubern bei ihrem Elterntier sicher sind.

Larve des Roten Sechsarms

Anders als bei den meisten Schnecklingen sind die Fortpflanzungsschwärmer der Sechsarmigen äußerst langlebig und bleiben nach der Paarung in der Gonade des befruchtetn Tiers, so dass dieses bei Bedarf regelmäßig neue Jungtiere nachbilden kann. Tatsächlich steuert das Elterntier die Entwicklung seiner Jungtiere hormonell. Ist es häufiger Stress ausgesetzt, verzögert es die Entwicklung, so dass ihm mehr Larven zur Verteidigung zur Verfügung stehen. Lebt das Elterntier in ruhiger Umgebung, dann reifen die Larven schnell und werden früher unabhängig. Auf diese weise optimiert das Elterntier seinen Gesamtfortpflanzungserfolg.
Roter Sechsarm von unten mit geöffneter Bruttasche. Die beiden jüngsten, noch nicht schwimmfähigen Larven sitzen ganz vorne, die beiden ältesten mit bereits abgerundeter Schale mittig.
Ein Tier nutz allerdings gerade diesen Verteidigungsmechanismus der Sechsarmigen aus und dieses Tier ist selbt ein Hexabranchier. Lactoraptor mimicris ahmt die Larven anderer Sechsarmiger nach und nistet sich in deren Brutkammern als Parasit ein, der sich von dem Nährsekret ernährt. Umgekehrt injiziert er über seine Giftdrüse Stresshormone in sein Wirtstier, so dass dieses wiederum die Zahl seiner Larven hoch hält und Lactoraptor im Endeffekt Nahrung und ein gut verteidigtes Heim bietet.